Freiburg im Februar 2005.
Offener Brief an:
Badische Zeitung
Herrn BM Dr. D. Salomon
Herrn Kultur BM von Kirchbach
Herrn Könneke, Kulturamt
Herrn Winkler, Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre
Betrifft: Kunstkonzeption für die Urachstraße.
Bereits vor über einem Jahr, am 20. Januar 2004 war in der BZ zu lesen,
ein Konzept für die Urachstrasse solle entwickelt werden, um „…die
Grünfläche zu nutzen, um dort im Wechsel Skulpturen von zeitgenössischen
Künstlern zu präsentieren.“ (A. Könneke)
Der Sommer 2004 verging ohne die so dringlich herbeigeredete „Bespielung“
der Fläche.
Und nun? Was ist geschehen, im Herbst 2004? Was ist es, das da steht an der
Ecke Urach-, Scheffelstrasse?
Ein Kunstwerk? Von wem erstellt? Für wen ist es gedacht, sich zu erschließen?
Was soll es besagen? Ist es witzig oder ernsthaft? Wirft es Fragen auf oder
gibt Antworten? Ist es spannend durch seine nur ihm eigenen Formverläufe?
Oder: negiert oder annulliert es diese gar? In der Kunst bezeichnet die Negation
des Bisherigen häufig einen Aufbruch zu Neuem – doch nur unter einer
Prämisse: der Wahrung des Anspruchs, Inhalte und nicht Belanglosigkeiten
zu transportieren. Ist das nun die Kunstform hinter der das Kulturamt und dessen
Fachbeirat stehen? Die sie hofieren, für gut befunden haben und empfehlen?
Es scheint, dass dies Objekt jetzt endlich den Ansprüchen unserer Experten
und Kunstverantwort-lichen gerecht wird. Und, wie man annehmen darf, ebenso
dem Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre und dessen Leitung. Und allen
Wiehremern.
Mir allerdings erschließt sich einiges nicht: Warum tut man nicht Kund
– durch eine Tafel, beispielsweise – von wem diese Sorte Ding erstellt
ist?
Lässt sich bei diesem Etwas sagen, ob es sich um Kunst handelt? Bei der
Vorgängerarbeit BELUS und MALOU wurde ja vereinzelt behauptet, es sei keine
Kunst. Handelt es sich also jetzt darum? Wenn ja, woran ist das zu erkennen?
Wenn nein, warum steht diese Arbeit da und wer wollte, dass sie dort den Platz
„bespielt“? Hat das Kulturamt so entschieden? Mit oder ohne Fachbeirat?
Hatte der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre Mitspracherecht oder durfte
er zumindest empfehlen?
Existiert seit letztem Sommer nun eine Kunstkonzeption für die Urachstrasse,
wie am 20. Januar 2004 in der Badischen Zeitung von Herrn Könneke versprochen?
Wenn ja, wo kann man diese einsehen?
Meinen Eindruck habe ich Herrn Könneke bereits am 18. Februar 2004 in einer
persönlichen Unterredung mitgeteilt: alles, was er bezüglich einer
Konzeption für die Urachstraße anführt, war und ist gelogen.
Sinn und Zweck des angeblichen Konzeptes war, die durchaus unbequeme Arbeit
BELUS und MALOU zu entfernen, einfach aber radikal.
Egal wie und basta. Dies haben er und seine Hintermänner und –frauen
geschafft. Jetzt, wie es scheint, zeigt er „Verträgliches“.
Das ist ein Verhalten wider die Kunst. Statt Kunst „auf die Straße“
zu bringen, wird sie entfernt. Man setzt sich nicht mit den Bürgern zusammen
und „streitet“ für die Kunst, sondern man macht’s einer
einflussreichen Wählerschicht „recht“ und entspricht so ihrem
Kunstverstand. Und was wollen sie? Leichte Kost! Nichts jedenfalls, was zum
Hinterfragen anregt. Dies deckt sich mit meinen vor Ort gemachten Erfahrungen.
Auf der anderen Seite stehen Renommierobjekte wie „L6“, Lamystrasse
6. Keiner dieser Bürger, die sich über BELUS und MALOU echauffierten,
wird hinter die Mauern von L6 blicken, um sich dort ggf. weiter aufzuregen.
Und mit einem entsprechenden Sponsor im Hintergrund lässt sich mit einem
L6 leicht angeben.
Damit’s nicht falsch verstanden wird: ich gönne jedem Künstler
Anerkennung, Zuwendung, Geld, Liebe und auch das Stipendium von L6.
Nicht aber gönne ich den Kulturverwaltern ihre opportunistische, selbstgefällige
und satte Behäbigkeit. Schließlich leben sie von all denen, die das
Wagnis auf sich nehmen, und gerade in diesen Zeiten sei ausdrücklich darauf
hingewiesen, Farbe und Geist in die triste Monotonie einer geistlosen und uninspirierten
Realität zu bringen.
Mein Vorschlag lautet noch immer, das Kulturamt abzuschaffen und somit einzusparen.
Wenn man Kultur will, sollte man diese von ausgewiesenen Profis, auf der Basis
von Zeitverträgen etwa, realisieren lassen. Politiker, Beamte und Angestellte
einer Behörde können das einfach nicht. Entweder haben sie keine Ahnung
oder sie sind bestechlich oder sie befinden sich in den verschiedensten Interessenkonflikten.
Kulturförderung dieser Art legt einen Schluss besonders nahe: Sie führt zu Resignation bei denen, die sich ernsthaft um Niveau bemühten.….Dorothea Strauss geht. Amélie Niermeyer geht. Karen Kamensek geht. Zufall? Wer geht als Nächster? Und wer übernimmt die Verantwortung für das Ressort „Weitsicht“?
Auf Ihr konstruktives Feedback freue ich mich.
Mit freundlichen Grüßen, Dieter E. Klumpp.